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Veranstalter-Rückblick: 1985 -1995

Von gestern, heute und morgen

Zehn Jahre „Münchener ELEKTRONIK BÖRSE" aus der Sicht des Veranstalters zu reflektieren, beginnt man vielleicht am besten mit der Beantwortung der häufig gestellten Frage wie man den überhaupt auf den Gedanken gekommen sei, so etwas zu veranstalten.

Die Anfänge

Die Idee dazu wurde in einem kleinen EDV-Firmenverbund geboren welcher aus einem Computerhandel, einer PC-Reparaturwerkstatt und einem EDV-Formular-Verlag bestand. Auf der Suche nach der Erweiterung der Geschäftsfelder entstand der Plan, gebrauchte Computer mit ins Angebotssortiment zu nehmen. Ein Plan welcher 1985, als ein PC noch einen fünfstelligen Betrag kostete, eine ausreichende Handelsspanne versprach.

Das Plakat zur ersten Veranstaltung

Das Problem dabei bestand jedoch darin, überhaupt interessante gebrauchte Komponenten zu beschaffen. Eine Variante zur Erkundung des Marktes schien ein Computerflohmarkt zu sein. Ein sich gerade in die EDV einarbeitender freier Mitarbeiter dem man wohl aufgrund gewisser Vorkenntnisse und Tätigkeiten in seiner späten Jugend ähnliches zutraute und einer der Firmenpartner, wurden kurzfristig mit der Organisation der Testveranstaltung beauftragt.

Nach nur wenigen Wochen Vorbereitungszeit fand dann am 23. November 1985 im Pschorr-Keller auf der Theresienhöhe der erste „Elektronik Flohmarkt" statt. Nur bescheidene fünfundzwanzig Aussteller boten Ihre Komponenten feil, aber beachtliche zwölfhundert Besucher drängten in den Saal. Diese Resonanz motivierte zum Weitermachen, da zahlreiche Besucher Interesse bekundeten bei einer nächsten Veranstaltung als Aussteller dabei zu sein, nachdem man nun     wisse, daß es soetwas in München gäbe.

Der seinerzeitige Wirt war vom fast leeren Saal weniger angetan und zeigte kein Interesse an einer Wiederholung. So schien ein Umzug in den etwas kleineren, aber ebenfalls bekannten und zentral gelegenen „Schwabingerbräu"-Saal sinnvoll, wo dann die drei Veranstaltungen des Jahres 1986 mit steigendem Erfolg stattfanden. Erste Berichte in den Fachzeitschriften dokumentierten ebenfalls, daß mit dem Elektronik Flohmarkt offensichtlich eine Marktlücke geschlossen wurde.

Für die ursprüngliche Initiatorenriege erfüllte sich die Zielvorstellung zwar nicht, denn der Prozentsatz der auf dem Flohmarkt angebotenen Computer war noch nicht so hoch wie in den späteren Jahren, zudem war die Bereitschaft seinen PC für deutlich weniger Geld als man für das Stück neu bezahlt hatte, an einen Händler zu verkaufen bzw. in Kommission zu geben, noch sehr gering - es gab noch keine Gewöhnung an die sich stetig erneuernden PC-Generationen und den einhergehenden Preisverfall - so daß die Veranstaltung nun losgelöst Ihre Eigendynamik entwickelte.Der mit der Organisation beauftragte, ehemalige freie Mitarbeiter fand sich plötzlich als nebenberuflich selbständiger Veranstalter in einer inzwischen gewandelten Bürogemeinschaft mit einem der ehemaligen Partner wieder.

Vom reinen Flohmarkt zur Börse mit drei Bereichen

Auch die Struktur der Veranstaltung hatte sich gewandelt. Neben den privaten Anbietern, drängten vermehrt auch Firmen in die Ausstellerrolle und diverse Computerclubs, aber auch andere Vereine wünschten die Möglichkeit zur Selbstdarstellung und Mitgliederwerbung zu nutzen. Der „Elektronik Flohmarkt" wurde also einer der drei Bereiche der um die „Firmen-Verkaufsausstellung" und das „Informations- und Kommunikationsforum" erweiterten Veranstaltung mit dem gewandelten Namen „Münchener ELEKTRONIK BÖRSE".

Die organisatorische Unterteilung und die drastisch gestiegenen Aussteller- und Besucherzahlen machten den Umzug in die Säle des größten in München verfügbaren großgastronomischen Betriebs, des „Salvator-Keller am Nockherberg" nötig. Hier konnte wie vom Veranstalter gewünscht und von den Behörden gefordert, jedem Bereich ein eigener Saal zugewiesen werden. Zudem standen hier wesentlich bessere Lade- und Parkmöglichkeit für Aussteller und Besucher zur Verfügung als zuvor im Herzen Schwabings.

Das Bestreben der Organisation war und ist es den Teilnehmern einen Rahmen zu bieten, welcher sich von einem beliebigen Flohmarkt abhebt. Neben guter Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto, inkl. Parkmöglichkeiten, werden großgastronomische Betriebe deshalb bevorzugt, weil die Säle mit gleichartigem Mobiliar ausgestattet sind, welches im Vorfeld für die Aussteller mit Standform und Stromblockversorgung strukturiert werden kann, für Heizung, Speisen und Getränke gesorgt ist und sowohl in der Vorbereitungsphase wie am Veranstaltungstag das eigene Personal eingesetzt werden kann. Die oft gestellte Frage warum man bei soviel Interesse nicht eine leere Industriehalle oder auf das Messegelände geht kann nur damit beantwortet werden, daß der Aufwand eine beliebige Halle für unsere Ein-Tages-Veranstaltung mit der gewohnten und notwendigen Infrastruktur auszustatten viel zu aufwendig wäre und die Messegesellschaft für die Durchführung der nötigen Arbeiten nur die Handwerks- und Dienstleistungsfirmen zuläßt mit welchen Sie selbst zusammenarbeitet. Viel zu hohe Kosten würden ein tragbares Preisniveau für Aussteller und Besucher unmöglich machen. Bis zum Pächterwechsel 1990 waren die Nockherbergsäle aus zuvor genannten Gründen also ein sehr geeigneter Veranstaltungsort.

Hier erlebte die Münchener Elektronik Börse ihre bisher höchste Blüte, also die meisten und vielfältigsten Aussteller und die meisten und von von weither angereisten Besucher. Neben lokalen und regionalen, privaten und gewerblichen Ausstellern hatten auch diverse fahrende Elektronik- und Public-Domain- bzw. Sharewarehandler aus der gesamten Bundesrepublik unseren Markttag entdeckt. Manch kleiner EDV-Handel hat die Gelegenheit genutzt auf sich aufmerksam zu machen. Einige - mit der richtigen Nische - sind gewachsen und im Markt etabliert, andere haben die Sturmzeiten der Brache nicht überstanden. Namhafte Computer-Großhandelsunternehmen haben - teils unter eigenem Namen, teils über Dritte - auf der Elektronik Börse schon Restposten unters Volk gebracht. Kurz nach seinem Erscheinen war seinerzeit der 1-MB-Chip hier zu haben, genauso wie neulich die neuesten - teilweise hier noch gar nicht bekannten - Computerspiele aus den USA.

Die politische Wende und der Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs brachte Anfang der 90er Jahre dann neue und zusätzliche Scharen von Besuchern nicht nur aus Ostdeutschland sondern aus ganz Osteuropa nach München, die sich dann mit in die legendären, zigmeterlangen Warteschlangen vor der Eingangstür einreihten.

Seit 1992 wieder zurück im Pschorr-Keller

Drastisch gestiegene und für den gebotenen Rahmen nicht angemessene Mietforderungen des neuen Managements zwangen zur Suche nach anderen Räumlichkeiten. Da sich die Kunde davon, daß es sich bei der Münchener Elektronik Börse zwischenzeitlich um eine beachtliche Veranstaltung handelte, bis zur Stätte des bescheidenen Anfangs herumgesprochen hatte und die Lage, Größe und Rahmenbedingungen des Pschorr Kellers auf der Theresienhöhe auch als gut einzustufen sind, fiel die Entscheidung zur Rückkehr zu den Wurzeln.

Zunächst war hier, aufgrund des etwas kleineren Platzangebots, eine zeitweise drangvolle Enge in den Gängen zwischen den Ausstellerreihen zu verzeichnen, aber nunmehr fünf Jahre an diesem Platz haben gezeigt, daß der Veranstaltungsort sich durchaus bewährt hat. Hier fand in den letzten Jahren dann auch ein Strukturwandel statt.

Mehr und mehr dominieren inzwischen Computer und EDV-Komponenten inklusive Software das Angebot. Deutlich zurückgegangen ist leider das Angebot der Sparten Audio, Video, Funk und klassische Bauteile. Auch die Besucherzahlen erreichen nicht mehr die früheren Höhen, was jedoch nachvollziehbar wird, wenn man berücksichtigt, daß jener Prozentsatz an Durchschnittsbürgern fernbleibt, welcher wegen drastisch gesunkener Neugerätepreise heutzutage für solche Beträge komplett konfigurierte Systeme kaufen kann, für welche man früher nur gebrauchte Komponenten erhielt.

Nach wie vor präsent ist jene zum großen Teil inzwischen in unserer Adressdatenbank gespeicherte Stammbesucherzahl von EDV- und Elektronik-Enthusiasten, Bastlern, Freaks, und Sammlern welche jeweils ergänzt wird durch Schüler, Studenten, Anfänger und Schnäppchensucher aller Art. So stehen nach wie vor der Universitätsprofessor wie der Gastarbeiter in der Warteschlange vor dem Eingang und sind mit allen anderen gespannt und neugierig was diesmal angeboten wird, etwas was auch der Veranstalter im Vorfeld nicht weiß, da er nur den Rahmen für die diversen Aussteller organisiert und nicht im Detail erfährt was auf die Tische kommt.

Werbung und Öffentlichkeit

Aussteller und Besucher werden inzwischen zum großen Teil persönlich per Post über die jeweiligen Veranstaltungstermine informiert. Die elektronische Adressenkartei des    Veranstaltungsbüros für diese Mailings umfaßt inzwischen mehrere tausend Interessenten.

Zusätzlich erfährt die Öffentlichkeit von den anstehenden Elektronik Börsen über die wohlbekannten leuchtgelben Plakate mit dem typischen Logo, außerdem durch Anzeigen, Ankündigungen in der Fachpresse, Lokalpresse und den Lokalradios und nicht zuletzt durch Mundpropaganda.

Die Plakate waren sogar schon Streitobjekt eines Verwaltungsgerichtsverfahrens. Die Stadt München gestattet nämlich keine sogenannte kommerzielle Werbung auf öffentlichem Straßengrund. Die allenthalben in der Stadt, insbesondere an den Laternenmasten der Ringstraßen zu sehenden Plakate für Konzerte und andere Events werden von einer Abteilung des Baureferats mit Bußgeld geahndet. Die beantragte Ausnahmegenehmigung gibt es nur für die ganz oder teilweise in städtischem Besitz befindlichen Veranstaltungsorte wie Messegelände samt Ableger MOC und dem Olympiapark. Deren jedem Autofahrer in der Stadt bekannten Werbeplakatflächen an den Hauptverkehrsstraßen wurden amtlich als Wegweiser/Verkehrszeichen deklariert. Anderen Veranstaltern werden selbst temporäre Wegweiserplakate mit dem Argument verweigert, dies würde nur zu Verwirrung führen. So bleibt es beim Monopol der genannten Hallen und bei der de facto Privilegierung derjenigen großen Veranstalter welche das Bußgeld für das Wildplakatieren aus der Portokasse zahlen können. Die kleineren Veranstalter müssen eben schauen wie sie zurechtkommen.

Als Ausweg wird auf die kommunale DSR GmbH verwiesen, welche das alleinige Werbungsrecht auf öffentlichen Stadtgrund hat, Plakatflächen vermietet und sich dies entsprechend bezahlen läßt. Dies wird zwar von uns genutzt, doch auch hier gibt es kaum nachvollziehbare Privilegierungen, z.B. für die in der Stadt gastierenden Zirkusse. Diesen werden an großen Kreuzungen Sondergroßplakatflächen zur Verfügung gestellt, da es sich - wie jedermann weiß - bei diesen Zirkussen um chronisch notleidende Betriebe handelt, welche daher traditionell förderungswürdig sind. Diese Förderwürdigkeit trifft offensichtlich insbesondere auf die hierorts über Monate weilenden und stets ausverkauften Großzirkusse zu, deren Werbekampagnen sich außer durch Ausnutzung dieses Privilegs durch ausgedehntes Wildplakatieren mit überdimensionalen Plakaten     auszeichnet. Im Gegensatz dazu können sich die wirklich kleinen und sich am Existenzminimum bewegenden Zirkusse höchstens ein paar verwitterte, selbstangebrachte Plakate in jenem Stadtteil leisten in welchem sie gerade gastieren.

Verwaltung, Bürokratie und Kontrolle

Ein Zirkus eigener Art war und ist die Genehmigungspraxis des Kreisverwaltungsreferats für Veranstaltungen nach Art der Elektronik Börse. Hierbei wird behördlicherseits zwischen Flohmärkten mit Privatleuten und Verkausausstellungen mit Firmen unterschieden. Für erstere waren anfangs mehrseitige Bescheide nötig, später wurden sie dann schlicht zur Kenntnis genommen. Letztere stellen im Rahmen der Gewerbeordnung eine genehmigungspflichtige Ausnahme vom Ladenschlußgesetz d.h. z.B. vom Sonntagsverkaufsverbot dar. Seit einigen Jahren ist die Zahl dieser Ausnahmegenehmigungen auf zwölf Stück im Jahr pro Veranstaltungsort limitiert, was zusätzliche Probleme bei der Terminfindung aufwirft. Bisher wurde erfreulicherweise immer ein für Veranstalter, Veranstaltungsort und Behörden tragbarer Rahmen gefunden. Einerseits freuen wir uns, daß die Stadt München in Ihren Broschüren zum Thema Recycling von Elektronikgeräten das Anbieten auf den Flohmärkten empfielt (was rein garnichts damit zu tun hat, daß der amtierende Kommunalreferent und der Veranstalter zufällig den gleichen Familiennamen tragen, denn sie sind weder miteinander verwandt noch kennen sie sich persönlich), andererseits verfolgen wir mit Spannung die derzeitigen Bestrebungen zu weiteren Einschränkungen für Flohmarkt - Veranstaltungen. Diese sollen ab 1997 endgültig auch nicht mehr in geschlossenen Räumlichkeiten toleriert werden, um den Forderungen nach Wahrung der Sonntagsruhe in der aktuellen Rechtssprechung in Sachen Feiertagsgesetz zu genügen. Warum jedoch Verkausausstellungen mit Firmen weiterhin sonntags stattfinden können, ähnliche Veranstaltungen mit Privatanbietern jedoch nicht, ist nicht nachvollziehbar.

Die Elektronik Börse steht jedoch auch von anderer Seite unter Beobachtung. Auch Vertreter der kriminalistischen Behörde sowie private Interessenvertreter zählen regelmäßig zu den aufmerksamen Besuchern. Weder Hehlerware noch Softwarepiraterie wurde bisher jedoch in nennenswertem Umfang registriert. Und uniformierte Polizeibeamte wurden nur in Ausnahmefällen von unzufriedenen Käufern zur Feststellung der Personalien eines Anbieters über dessen Warenqualität man sich uneins war herbeigerufen. Häufiger hingegen sieht man auch diese Mitbürger in Uniform mit zufriedenen Mienen und einem erstandenen Stück Hard- oder Software unter dem Arm, im Pulk der anderen Besucher den Saal verlassen. Die strittigen Angelegenheiten lösen sich wohl doch noch gütlich. Von nachfolgenden Zivilrechtsprozessen ist uns zumindest      noch nichts bekanntgeworden

Bei den gelegentlich nicht ausbleibenden Reklamationen betreffend auf der Elektronik Börse erstandener Ware stehen unsere Mitarbeiter an der Information für Rückfragen wegen des Standplatzes und des Namens der Anbieters selbstverständlich zur Verfügung. Meist können dann die Fragen vor Ort bereits geklärt werden. Aber auch nachträglich kann unser Veranstaltungsbüro bei telefonischen Rückfragen anhand der Reservierungslisten und des Saalplans den Kontakt zwischen Anbietern und Käufern herstellen.

Blick in die Zukunft

In einem Bericht des Magazins CHIP von 1986 wird der Veranstalter mit der Zielsetzung zitiert, die Elektronik Börse solle „weder zu einem Computerschrottplatz noch zu einer Messe mit gestylter Umgebung werden, sondern das bleiben was sie ist; eine Börse die die breite Palette der Elektronik umfaßt - und das in einer lockeren Atmosphäre". Ich denke diese Vorgabe wurde in den vergangenen zehn Jahren gehalten und sie ist auch für 1996 und darüber hinaus das Ziel.

Zur Verbreiterung der Angebotspalette soll zukünftig neben den gewohnten Veranstaltungsterminen meist im März und Mai, der Termin im November eine Wochendend-Elektronik-Börse sein. Wobei am Samstag der Schwerpunkt bei Funktechnik/Kommunikation und klassischer Elektronik liegen soll und am Sonntag bei EDV-Hard & Software. Die in den letzten drei Jahren wegen der großen Nachfrage durchgeführte Zusatzveranstaltung im Kolpinghaus Nähe Stachus entfällt daher und die in letzter Zeit bei uns etwas rarer gewordenen Funker erhalten ein eigenes Forum.

Weitergehende Planungen sind von den Rahmenbedingungen in unserer Stadt abhängig. Geplante neue Veranstaltungshallen und neue endkundenorientierte Computermessen wollen berücksichtigt sein und könnten neue Perspektiven eröffnen. Im Kern wird die Münchener Elektronik Börse jedoch sicher auch weiterhin die Interessierten erfreuen.

Der Autor: Eduard Welsch, Veranstalter der Münchener Elektronik Börse

Fortsetzung:
Rückblick 1996 - 2000
 

Historische Homepage zur ehemaligen “Münchener Elektronik Börse”