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ELEKTRISCHES FÜR JEDERMANN


Eine Bestandsaufnahme

Der Autor:
Dr. Sieghart Brodka ist freier Journalist für Technik, Wissenschaft, Kultur in München
Kontaktadresse:
Balanstr. 229
81549 München
Tel./Fax: 089/687711

„Zehn Jahre Münchener Elektronik Börse" - ein weitreichender Info-, Kauf- und Tauschmarkt, welch tiefgreifende Wandlung und Erweiterung der populären Elektro-Verwendung in kurzer Zeit. Immerhin ist der elektrische Strom ziemlich genau 200 Jahre alt (Alessandro Volta 1794/1800 Pavia bzw. London).

Erinnern wir uns, die wir schon einige Jahrzehnte leben, wie alles anfing mit „elektrotechnischem Basteln" in den dürftigen Nachkriegsjahren, wieviel Engagement und Wissen der Umgang mit Lötkolben, Radiozange und den unzähligen Drähten, Widerständen, Trafo´s und Kondensatoren am Aluchassis erforderte! Großen Spaß hat es mit dem Detektorbau der Vorkriegsjahre, den Röhrenaudions bis -superhets, den ersten Tonverstärkern mit stolzen Wattzahlen (aus ehemaligen Wehrmachts- und US-Army-Beständen) allemal gemacht. Obendrein war es lehrreich und sparsam, man fühlte sich schöpferisch und nahe an der Physik, tat es zum Hobby, zur nützlichen   Freizeitgetaltung.

Wievielen Schülern, Lehrlingen, Hobbymusikern und Studenten hat die Elektronik nicht berufliche Einsichten eröffnet, große Spezial- und Versandhäuser lebten Jahrzehnte davon mit jährlich umfangreichen Katalogen (Radio in München-RIM, Holzinger, Conrad, Völkner u.v.a.)! Eigentlich spielerisch wurden die Taten dieser geheimnisvollen Elektronen begreifbar gemacht, die oft ungeliebte Schulphysik des Gymnasiums wunderbar ergänzt.

Was heute mit der überquellenden Medienwelt von Funk, Fernsehen, Computer und Digitalwelt bis Internet-Teilnahme unübersehbar und übersättigend geworden ist, war beim „Elektrobasteln" so einsichtig, effektvoll, fast gemütvoll.

Was nützt alle TV- und Videounterhaltug, jede neue PC-Software, wenn sie Fantasie und Logik vorwegnimmt, die Augen überreizt, das häusliche Milieu durch abstruse Geschichten und scheußliche Plastikkästen verschandelt? Nichts gegen Fernsehen zur schnellen Tagesinformation, doch bei (übergroßer) Ersatzunterhaltung nimmt es kommunikative Erlebnisse, bewährte Gesellschaftsformen weg, wie es sie in der Amateurfunkerei mit dem Schaffen weltweiter, zwischenmenschlicher Kontakte, interessanten UKW-, UHF- bis Gigahertztechniken bis zur Satelliten- und Mondrelaisentfernung gibt.

Die überviele PC-Beschäftigung mit täglich neuer Software belastet den Kopf, macht ihn zum Sieb voll Löcher, statt ihm Kreatives und „Grips" zu eröffnen. Nichts gegen die EDV bei der riesigen Verarbeitung heutiger Wirtschafts-, Umsatz- und Kontodaten, aber ist ein „elektronisches Spiel" wirklich ein Spiel mit Entscheidungen und Kombination, wie es uns Sherlock Holmes vor- und es uns auch Spaß macht?

Im Grunde hat nur der Entwickler und Vermarkter der Software Kopf und Spaß bewiesen, jeder Nachgebraucher am Bildschirm wird dann Nachvollzieher und Wiederkäuer irgendeines „Bill Gates"-Ein- wie Reinfalls!? Da tut z.B. die Fotographie mir andere Welten auf oder ein spannendes Buch, auf das ich gut einschlafen kann, im einfachsten Fall solides Kopfrechnen statt dem Elektronikrechner, um die angeborenen Bits wie Abstraktionsdenken zu fördern. (Der Elektro-Rechner erleichterte in den Ursprungsländern Ostasiens vor allem die komplizierten Zeichenzahlen!)

Doch zurück zum jetzt schon ein Dezennium alten Elektronikmarkt. Nostalgie ist in, nirgendwo anders begreift sich der schaffende Mensch mit Freude und Gemüt mehr zu seiner Gemeinschaft und Geschichte; hier gibt es noch Radioröhren mit dem sanften Glimmen und dem „reineren Klang in Endstufen als diese anonymen, lauwarmen Transistoren und erst recht der stumpfe, nichtssagende IC-Block", Spulentonbänder mit dem Drehen des Rades auf schmucken Geräten statt der lächerlich kleinen Tonkassette mit Winzlingsknöpfen und Schaltern an immerschwarzen Kästen, ordentliche Zeigerinstrumente, die oft mehr im Stromkreis anzeigen als ein kaltes Digitalmeter mit sich überschlagenden Zahlen. Wie glücklich war Marconi Anfang unseres Jahrhunderts beim Hören der Signale vom anderen Erdteil über die Weite des Atlantiks, jeder      Hörer am „Volksempfänger" mit einem Kaffee- oder Symphoniekonzert in der Stube oder beim Picknick am Kofferradio!

Doch wir werden die Zeit und Ihre „Fortschritte" nicht aufhalten, es fragt sich nur, was tieferes Erlebnis, Bereicherung und Freude am „Elektrischen" bedeutet? Gut, daß hier die „Elektronikbörse" den großen Bogen spannt, wo der Vater mit dem Sohne das Gesuchte findet, daß diese winzigen, unsichtbaren Elektronen so vielseitig und duldsam sind. Auf weitere Jahrzehnte in München, der vielseitigen Stadt der Elektronikforschung und -entwicklungen, den Förderern und Organisatoren der „Börse" viel Glück und Erfolg.
 

Historische Homepage zur ehemaligen “Münchener Elektronik Börse”