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Rückblick eines

Erst Besucher, und dann immer wieder Aussteller...

Zugegeben, so viel hat die Elektronikbörse von heute nicht mehr mit der klassischen Elektronik zu tun, können doch mehr als drei Viertel der heutigen Aussteller und Besucher nicht einmal mehr ein Relais von einem Kondensator unterscheiden. Sie alle denken eigentlich nur mehr in Bits und Bytes. Und selbst davon scheinen sie manchmal noch wenig zu verstehen, wenn man sich der schier unüberschaubaren Flut von PCs sowie deren Fragmenten und Accessoires gegenübersieht, die wohl alle nicht das zu tun scheinen wollen, was die eifrig gestikulierende und lamentierende Meute der Bit-Fetischisten wünscht. Aber, macht nichts: "Wenn des nachat ois glei´ funktionier´n dat, war´s ja nochat nur no hoib so schee..."!

Dem gegenüber steht die klein gewordene Gemeinde der "Grufties", die sich doch tatsächlich mit konventioneller Elektronik beschäftigen. Zugegeben, alles ist auch da nicht unbedingt "Elektronik", was da so auf den Tischen angeboten wird - vieles ist schon eher handfeste Elektrik. Aber so kriegt der Börsenbesucher vom Lockenwickler-Heizstab bis hin zum Mikrochip und vom NVA-Feldtelefon bis zum High-End-Verstärker wenigstens alles, was sein Herz begehrt.

Ob sich das Ganze lohnt? Na und ob! So mancher Besucher macht hier die Schnäppchen seiner Lebens. Für die Aussteller hängt der Verkaufserfolg allerdings sehr von der eigenen Einstellung zu dieser Art der zyklisch wiederkehrenden "Sonntagsbeschäftigung" ab.

Da gibt´s den introvertierten Hobby-Elektroniker / Bit-Schänder, der mit verschränkten Armen dasitzend, jedem vorbeiflanierenden Besucher einen grimmigen Blick zuwirft, der die dringende Bitte "rede mich bitte blos´ nicht an..." geradezu hinausschreit. Seine Preise künden zumeist auch gleich an, daß er den Begriff "Börse/Flohmarkt" wohl nicht so recht verinnerlicht hat und sich eigentlich gar nicht von seinen "Schätzen" trennen will.

Da gibt´s diejenigen, welche die Elektronikbörse emontionslos als stupide Nebenverdienst- möglichkeit sehen. Hier hat der Interessent die Ehre, in Kisten, Waschkörben und Eimern voll angeschlagener, zerfledderter oder funktionsloser Geräte, aufgeschütteten Haufen von nicht identifizierbaren Kopie-Disketten bzw. CD-ROMs oder aus ihrer ureigentlichen "Behausung" herausgerissenen Platinen wühlen zu dürfen. Sollte ein Teil dann doch ernsteres Interesse wecken, so hat es auch immer seinen Grund, wenn der Besucher kein Preisetikett auf dem erspähten Teil seiner Begierde vorfindet. Der Verkäufer weiß meistens selbst nicht, um was es sich bei diesem Stück handelt und hat natürlich noch absolut keinen Gedanken daran verschwendet, was es überhaupt kosten soll - "pricing by accident and sympathy" nennt sich das dann auf Neuhochdeutsch.

Da gibt´s die quirligen Marktschreier, die vor lauter Verkaufs-Stress abends dann völlig geschafft sind, wenn sie ihre Einnahmen zählen oder die "obercoolen" Verkaufsprofis. Sogar mancher akribischer Sonderling treibt sich noch in dieser Meute herum, der alle zu verkaufenden Teile einzeln eintütelt, beschreibt und mit Dumpingpreisen auszeichnet.

Dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen kommerziellen oder um einen privaten Anbieter handelt. Beide sortieren sich gleichermaßen in die vorbeschriebenen Spezien ein. Entsprechend dieser "Begabungen" setzt der eine gerade einmal Waren im Wert seiner Tischmietgebühren um, während der nächste Umsätze im Wert eines Kleinwagens an diesem Tag für sich verbucht.

Dem Besucher kann´s egal sein, solange er "ordnungsgemäß" seine Schnäppchen machen kann. So mancher hat auch schon grinsend die Börse verlassen mit einem fast neuen Videorecorder für schlappe 300 Märker unter´m Arm oder mit einem Sack voll mit Elektronikbauteilen, die ihn im Fachgeschäft ein Vermögen gekostet hätten.

Nun ist die Elektronikbörse freilich keine neue Erfindung - sie existiert in München nun schon seit mehr als zehn Jahren. Welsch & Co. hatten das Ganze damals als jugendliche "Greenhorns" im Ballsaal des Hertie-Hochhauses in Schwabing angezettelt und bereits um die dritte Veranstaltung herum hat sich der "elektronische Trödelmarkt" zu einem Kulttreff für Freaks seines Genres entwickelt, dessen Gedränge jeden orientalischen Bazar in den Schatten gestellt hat.

Was hätten´s denn gerne? Ein Sack voll ausgeschlachteter Platinen zum Auslöten der Bauteile? Einen Minidurchlauferhitzer aus der Zahnarzteinheit für die Beheizung ihres Hamsterkäfigs? Einen Sinclair-Rechner aus der Computer-Steinzeit, als 64-kBit-Speicher noch ein halbes Weltwunder waren? Zwei Kisten voll No-Name-Transitor-Radios zum Verschieben in die ehemaligen Ostblockstaaten? Share-Ware in Mengen, daß man alleine für die Sichtung der ganzen Software schon den Rest seines Lebens "verbraten" könnte? Ein Röntgengerät anno 1942, weil es so schön skurril aussieht und im Wohnzimmer ´ne schräge Figur abgibt? Eine spottbillige   Küchengeräte - Ausstattung für die Studentenbude? Einen Auto-Subwoofer mit 2-kW-Verstärker? Einen Vibrator-Bausatz für die bastelbegeisterte Dame? Eine Videokamera zum halben Ladenpreis? Elektronikbauteile als Kiloware? "In"-Turnschuhe mit eingebautem LED-Blinker? Diese Auflistung ist nicht der Phantasie entsprungen - all dies hat der Autor schon "über den Tisch gehen" sehen. Auch so mancher Anbieter kann sich dem Banne der Angebote nicht entziehen und investiert seine Einnahmen gleich wieder in der "Trödel" vom Nachbartisch.

Fazit? Na, so ein bißchen orientalischer Bazar in den Zeiten moderner High-Tech-Wunder hilft den Computer- und Elektronik-Freaks wenigstens, ihre Vorräte an Bastelmaterial zu "bereinigen" oder "aufzufüllen", so daß am Ende der Elektronikbörse jeder glücklich nach Hause geht. Und sei´s nur drum, daß der Besucher festgestellt hat, daß er dieses Mal kein wichtiges Schnäppchen versäumt hat, und der Aussteller sich wieder einmal ob der tapfer im morgendlichen Ansturm des Aufbaues und der ersten Besucherwelle geschlagenen Schlacht stolz auf die eigene Schulter klopfen kann.

Für den Hobbyelektroniker ist die Elektronikbörse die ideale Gelegenheit seine Leidenschaften auszukosten - gerade so als wär's ein Tag am Gardasee für einen begeisterten Windsurfer.

Dipl. Ing. Horst H. Bauch
(erst Besucher, und dann immer wieder privater Aussteller)
 

Historische Homepage zur ehemaligen “Münchener Elektronik Börse”